Essstörungen


Es ist schwer, aber möglich, den Teufelskreislauf zu durchbrechen.

Durch meine langjährige Tätigkeit als Psychotherapeutin in einer therapeutischen Wohngruppe für Menschen mit Essstörungen, sind mir die Störungsbilder der Anorexia (Magersucht) oder Bulimia Nervosa (Ess-Brechsucht) wie auch Binge Eating Disorder (Sucht, zu essen) vertraut.

Diese langjährigen Erfahrungen haben mir gezeigt, es ist schwer, aber möglich den Teufelskreislauf zu durchbrechen.

Auch bei Essstörungen ist die systemische Haltung hilfreich, Symptome als eine (Überlebens)Strategie zu bewerten. Wie Betroffene aus eigener Erfahrung wissen, reicht es eben nicht, mehr oder weniger zu essen, auch wenn die praktische Arbeit am Essverhalten meistens unerlässlich ist. Das Erkennen und Verstehen der Hintergrundthemen sowie die Bearbeitung dieser, ist zentral, um einen Umgang mit einer Essstörung zu erreichen und sie letztendlich zu bewältigen.

 

Eine Essstörung entwickelt sich häufig in der Pubertät – eine Zeit, in der es bei der Suche nach der eigenen Identität und dem gleichzeitigen Ende der Kindheit vermehrt zu massiven Krisen kommen kann. Die Essstörung hilft dann vermeintlich, die Veränderungen des Körpers zu kontrollieren, sich diszipliniert und überlegen gegenüber der Umwelt zu fühlen und somit den Selbstwert zu stärken Auch beim Umgang mit negativen Gefühlen hilft die zwanghafte Beschäftigung mit dem Essen.

 

Der Druck, der durch das Schönheitsideal dünn = schön in allen Medien präsent ist (und zwar nicht nur in Model-Sendungen) begünstigt das Entstehen von Essstörungen in erheblichem Maße. Häufig sind auch bewusste oder unbewusste traumatische Erfahrungen, bei denen die Grenzen der eigenen Person nicht gewahrt wurden, Auslöser für eine Essstörung.

 

Ein Schwerpunkt in meiner therapeutischen Arbeit liegt deshalb im Aufbau von Ressourcen, von Selbstvertrauen und dem Umgang mit Emotionen. Dabei kann zum Beispiel die Innere-Anteile-Arbeit eine wichtige Rolle spielen, aber auch andere Methoden. Ich biete außerdem mich als Person an, um im psychotherapeutischen Setting neue Beziehungserfahrungen ermöglichen zu können.

 

Einmal begonnen, entwickeln sich durch das auffällige Essverhalten und den Versuch des Körpers dies auszugleichen, weitere Symptome. Deshalb ist es auch wichtig, kontinuierlich auf der Verhaltensebene und ggf. am Essverhalten zu arbeiten. Dabei ist mir wichtig, gemeinsam auf einer Augenhöhe Ziele zu setzen, die erreichbar sind.

 

Die Arbeit an Hintergrundthemen und der praktischen Verhaltensebene und vor allem das Zusammenspiel von beidem (bei schwierigen Themen kann es auch mit dem Essen wieder schwerer werden), können langfristige Veränderungen bewirken, die letztendlich eine Essstörung als Strategie immer unwichtiger werden lassen.

 

Filmtipp: Embrace - Du bist schön